I Einleitung
Druckseiten 13–26
Χάριτι Θεοῦ, M. Martinus Crusius, ὁ γῆ καὶ σποδὸς, primus haec in Germania fecit. […] 7. Graecam linguam vulgarem, primus in Germaniam (.in Turcograecia.) introduxit. Crusius über sich selbst, Mh 466.1, fol. a2v
1 Gegenstand der Arbeit
»Wenn der Name Martin Crusius fällt, kommen dem Hörer unwillkürlich drei Stichworte in den Sinn, die mit ihm verbunden sind: Der theologische Briefwechsel zwischen der Evangelischen Kirche Württembergs und dem Ökumenischen Patriarchat im 16. Jh., das Phänomen des ›Philhellenismus‹ und das berühmte Werk Turcograecia« (WENDEBOURG 1994: 113). Der deutsche Humanist Martin Crusius1 (1526-1607) ist tatsächlich heute hauptsächlich im Bereich der Neogräzistik, zutreffender gesagt der frühneugriechischen2 Studien bekannt, nicht aber im Bereich des Faches, das er seinerzeit vertretenS. 14 hat.
Die oben genannte Turcograecia3 ist eine der wichtigsten Quellen für die Erforschung vieler Aspekte der frühen Phase der als ›Tourkokratia‹ (wörtlich ›Türkenherrschaft‹) bekannten Epoche der griechischen Geschichte, d.h. der Zeit nach dem Fall Konstantinopels bis zum griechischen Freiheitskampf des 19. Jh.
Mit seiner Turcograecia hat Crusius tatsächlich das Studium der ›vulgaris lingua graeca‹ (»griechische Gemeinsprache«) – genau wie er selbst behauptet hat (s. z. B. das Motto dieses Kapitels) – im deutschsprachigen Raum eingeführt. Die Turcograecia und ihre Ergänzung, die Germanograecia4, galten lange Zeit als der Höhepunkt der ›frühneugriechischen Studien‹ des Crusius’. Dank neuerer Forschungen der neunziger Jahre ist zusätzliches, vor allem handschriftliches Material aus Crusius’ Feder ans Licht gekommen, das den tatsächlichen Umfang und die Ergebnisse dieser Studien evident gemacht hat. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht ein bisher völlig unbekanntes lexikographisches Werk aus der Feder Crusius’ zur ›vulgaris lingua graeca‹, dasS. 15 ebenfalls in seinem Nachlass erhalten ist5.
Dass ein deutscher Humanist in Tübingen ein lexikographisches Werk über die ›vulgaris lingua graeca‹ in der Zeit der ›Tourkokratia‹ verfasst hat, stellt im gewissen Sinne ein ›Oxymoron‹ dar. Im 16. Jh. Jahrhundert werden die ersten modernen lexikographischen Werke zu den Nationalsprachen Europas verfasst, der Weg weg von der ›Herrschaft‹ der lateinischen Sprache wird langsam geebnet (MCARTHUR 1986: 81 f.). Das Oxymoron besteht darin, dass ein deutscher Humanist, der selbst nie im griechischsprachigen Raum gewesen ist, quasi diese Rolle für die ›frühneugriechische Sprache‹ im 16. Jh. übernimmt, um ein lexikographisches Werk über die von den Griechen6 ›gesprochenen‹ Sprache zu verfassen. Allerdings handelt sich um ein, wie wir sehen werden, für persönliche Zwecke verfasstes Werk, diese Rolle beschränkt sich sozusagen in der Konzeption der Erstellung eines lexikographischen Werkes für deren zeitgenössische, nicht gelehrte Sprache.7
Diese Umkehrung der Rollen wird etwas verständlicher, wenn man einerseits die Person dieses Humanisten und sein Umfeld näher untersucht8 und andererseits die ›Tourkokratia‹ als eine Phase der S. 16griechischen Geschichte betrachtet, in der wichtige gesellschaftliche Prozesse, die im ›Westen‹ stattgefunden haben, getilgt oder mindestens verzögert werden9. Dies will nicht sagen, dass die ›Tourkokratia‹ als eine dunkle Epoche des ›Griechentums‹ angesehen wird, ganz im Gegenteil: man muss meines Erachtens gerade in dieser Zeit nach den Anfängen nicht nur der neu-griechischen nationalen Identität, sondern auch der neugriechischen Sprache und Literatur suchen. Um dieses Oxymoron hier plakativ zu lösen, können wir folgendes sagen: wenn überhaupt jemand im 16. Jh. in der Lage war, außerhalb des griechischsprachigen Raums die Rolle des Lexikographen des Frühneugriechischen zu übernehmen, dann wäre dies nur Crusius10.
Dies ist auch der Grund, warum hier von einer ›frühneugriechischen‹ und keiner ›postbyzantinischen volkssprachlichen‹ Sprache und Literatur die Rede sein wird, und warum nur frühneugriechische gedruckte Texte, die Crusius für seine Studien benutzt hat, in der Analyse mitberücksichtigt werden11. Es ist aber auch der Grund, warum wir die von der bisherigen Forschung ziemlich einstimmig postulierten Motive zu Crusius’ frühneugriechischen Studien, die einen ›philhellenischen‹ Ausgangspunkt supponieren, überprüft haben und nur mit Modifikationen übernehmen konnten, kombiniert mit bisher nur teilweise oder völlig unberücksichtigten Aspekten des Lebenslaufes von Crusius im Sinne der Mentalitätsgeschichte seiner Zeit.12
S. 17Gleichzeitig sind umfangreiche lexikographische Werke über die frühneugriechische Sprache aus dem 16. Jh. eine absolute Rarität13, das darin enthaltene sprachliche Material müsste, so dachte man, von der Wissenschaft erschlossen werden. Das Alphabetum vulgaris linguae graecae14 (so hat Crusius sein lexikographisches Werk selbst genannt) ist ein, wie bereits gesagt und sich weiter zeigen wird, für persönliche Zwecke verfasstes lexikographisches Werk, das nicht zur Veröffentlichung oder allgemeiner Nutzung gedacht war.
Dieses lexikographische Werk kann jedoch aus mehreren Umständen als ziemlich einzigartig angesehen werden: Crusius besaß frühneugriechische Drucke, die er mit Hilfe von bei ihm in Tübingen weilenden griechischen Muttersprachlern glossiert hat; diese Glossen15 und andere Vokabeln16, die er mittels Befragung seiner Informanten gesammelt hat, stellen das primäre Material, sprich die Quellen des ›Alphabetum‹ dar. Und ferner: die Kompilierung des lexikographischen Werkes, die in unserem Fall die Übertragung dieses primärenS. 18 Materials in einen neuen Textzeugen in alphabetischer Reihenfolge und somit die Schaffung von neuen Lemmata17 bedeutetet, wurde mit Hilfe – zutreffender gesagt innerhalb – eines anderen gedruckten griechischen lexikographischen Werkes18 geleistet. Dieses andere lexikographische Werk stellt dann den Überlieferungsträger des ›Alphabetum‹ dar, darin konnte man aber auf den ersten flüchtigen Blick kein Lexikon zur frühneugriechischen Sprache vermuten. Dies ist bestimmt noch ein Grund, warum dieses lexikographische Werk bis jetzt von der Wissenschaft unentdeckt blieb.
Das ›Alphabetum‹ stellt mit anderen Worten ein alphabetisch geordnetes Glossar19 dar. Da Crusius’ erklärtes Ziel das Erlernen der ›vulgaris lingua‹ war, kann man es auch bildlich als eine Art Vokabelheft ansehen. Der ›Lerner‹ ist Crusius, der die ihm unbekannten Wörter aus Texten oder aus seiner Umgebung auswählt, die Rolle des ›Lehrers‹ übernehmen die anwesenden Informanten. Am Ende des ›Unterrichts‹ überträgt der ›Lerner‹ alle Vocabula in sein ›Alphabetum‹. Dies ist gewiss eine grobe und vereinfachte Darstellung des Prozesses, der zu der Kompilierung dieses lexikographischen Werkes geführt hat; sie dient einzig und allein der Vertrautheit des Lesers mit der Einzigartigkeit der hier behandelten Materie, eine ausführliche Beschreibung wird weiter unten (Kap. III, S. 95 ff.) erfolgen.
2 Ziele und Aufbau der Arbeit
2.1 Ziele
S. 19Wenn wir das ›Alphabetum‹ als den chronologisch ersten Versuch der Erstellung eines lexikographischen Werkes des Frühneugriechischen auffassen, dann stellt die Erschließung des kompletten sprachlichen Materials in der Form einer wissenschaftlichen Ausgabe das ideale Ziel dar. Die Erhebung des im ›Alphabetum‹ sich befindenden sprachlichen Materials wurde mit diesem Ziel vor Augen durchgeführt. Alle Lemmata des ›Alphabetum‹ (über 17.500 Lemmata mit der jeweiligen Explicatio) wurden abgeschrieben und in eine elektronische Datenbank eingegeben. Wegen der bereits beschriebenen Kompilationsmethode des lexikographischen Werkes wurde parallel dazu das komplette primäre Material (über 17.000 Glossen und Vokabeln) aus unterschiedlichen Quellen ebenfalls abgeschrieben und in eine zweite Datenbank eingegeben.
Die treibende Kraft für diese massive Ansammlung von Material war die Hoffnung, dass mit Hilfe des ›Alphabetum‹ eine Grundlage für die Erforschung des Frühneugriechischen im 16. Jahrhundert geschaffen werden kann. Diese Hoffnung basierte teils auf der herausragenden Persönlichkeit des Crusius’, dessen Turcograecia für die Erforschung dieser Zeit eine sehr wichtige Rolle spielt, teils auf der Tatsache, dass griechische Informanten bei der Glossierung tätig waren. In diesen Zusammenhängen wurde dementsprechend die Aufarbeitung des umfangreichen Materials als Desiderat der Wissenschaft angesehen20.
Die Analyse des Materials mit Hilfe dieser Datenbanken hat mit Klarheit gezeigt, dass sich diese Hoffnungen nicht haben erfüllen S. 20können21. Das ›Alphabetum‹ bietet uns wenig Neues zur Erforschung der ›vulgaris lingua graeca‹. Gemessen an dem für eine Komplettausgabe notwendigen Aufwand wäre der Nutzen dieses Unternehmens sehr gering.
Es gibt jedoch einen kleinen Teil (670 Lemmata) des ›Alphabetum‹, das aus Crusius’ Diskursen mit seinen Informanten und deren Befragung stammt. Eine detaillierte Beschreibung dieser Informanten in der Form von umfangreichen handschriftlichen Aufzeichnungen des Crusius’ ist ebenfalls vorhanden22. Mit Hilfe dieses Materials bietet sich die seltene Möglichkeit für die Forschung des Frühneugriechischen, der tatsächlich gesprochenen frühneugriechischen Sprache und ihren Sprechern ein Stück näher zu kommen.
Die Grundlagenforschung zum Frühneugriechischen ist generell sehr schlecht, unsere Informationen basieren auf literarischen Texten, die nach der vorherrschenden Meinung nicht in der tatsächlich gesprochenen, sondern in einer ›Schriftkoine‹ geschrieben sind23. Bis auf Dokumente und andere nicht-literarische Texte, die ebenfalls von dieser Schriftkoine beeinflusst sind, verfügen wir nur über Bruchstücke der tatsächlich gesprochenen Sprache im 16. Jh.24 Mit dem hier vorliegenden Material können wir uns meines Erachtens ein erstes vollständigeres Bild von der gesprochenen Sprache machen.
Eine weitere, sonst noch nicht da gewesene Möglichkeit bieten uns die handschriftlichen Aufzeichnungen des Crusius über seine griechischen Informanten. Mit deren Hilfe sind wir in der Lage, die für diesesS. 21 sprachliche Material verantwortlichen griechischen Sprecher genau zu beschreiben. Es handelt sich dabei um vier Hauptinformanten des Crusius, die aus unterschiedlichen Regionen des griechischsprachigen Raumes stammen, eine unterschiedliche Bildung und sonstige Kenntnisse vorweisen können, aber ein gemeinsames Schicksal teilen: sie sind in Europa über mehrere Jahre unterwegs und versuchen, Lösegelder für die eigene und die Befreiung anderer versklavter Familienmitglieder zu sammeln.
Als Folge dieser Überlegungen strebt die vorliegende Arbeit folgende Ziele an:
(a) die Herausgabe des Teils des Materials aus dem ›Alphabe-
tum‹, das mit Sicherheit zur gesprochenen Sprache des 16.
Jh. gehört; jedes einzelne Lemma soll in der Teilausgabe,
wenn möglich, einem Informanten zugewiesen werden,
(b) die detaillierte Beschreibung dieser Informanten mit Hilfe
der handschriftlichen Aufzeichnungen des Crusius’,
(c) die Rekonstruktion des Prozesses, mit dem Crusius die ›vul-
garis lingua graeca‹ mit Hilfe der Venezianer Volksdrucke
seiner Sammlung und seiner Informanten erlernt hat,
(d) die Erforschung der Entstehungsgeschichte des ›Alphabe-
tum‹ unter besonderer Berücksichtigung der Motive, die
Crusius zum Erlernen der ›vulgaris lingua‹ und zur Kompi-
lation des lexikographischen Werkes bewogen haben. Der Kern dieser Arbeit bildet demgemäß die Herausgabe des aus Diskursen mit griechischen Informanten bzw. ihrer Befragung stammenden sprachlichen Materials des ›Alphabetum‹: dieses Material wird mit der Auswertung der verantwortlichen Sprecher komplementiert. In dieser Kombination liefert diese Teilausgabe einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Frühneugriechischen im 16. Jh.
Crusius hat eine immense schriftliche Produktion hinterlassen. WILHELMI (2002: 187-220) listet 324 ganz oder nur teilweise von S. 22Crusius geschriebenen Handschriften25 auf; hinzu kommen seine gedruckten Werke26 bzw. alle andere Aufzeichnungen, die er in Büchern seiner Bibliothek hinterlassen hat27. Die vollständige Erfassung aller ›Barbarograeca‹28 in Crusius’ Nachlass stellt ausdrücklich kein Ziel dieser Arbeit dar. Diese mehr oder weniger willkürliche Eingrenzung des Materials hängt nicht nur mit praktischen, sondern auch mit inhaltlichen Gründen zusammen. Das genannte Material ans Licht zu bringen, muss den Vorrang erhalten; die Person Crusius’ und ihre wichtigen Leistungen im Bereich der Neogräzistik – ohne idealisierende Scheuklappen – zu präsentieren und zu würdigen, stellt unter diesen Umständen das wichtigste Ziel dar.
Darüber hinaus muss hier deutlich herausgestellt werden, dass eine detaillierte linguistische Analyse des herausgegebenen Materials nicht angestrebt wurde. Diese Entscheidung wurde aus praktischen Gründen, die mit der Natur dieser Qualifikationsarbeit zusammenhängen, gefasst. Eine detaillierte linguistische Auswertung des sprachlichen Materials ist als separate Arbeit für die nahe Zukunft geplant.
2.2 Aufbau der Arbeit
S. 23Jedem Ziel ist ein Kapitel der Arbeit gewidmet. In KAPITEL II (DER VERFASSER DES ›ALPHABETUM‹ UND SEINE MOTIVE) wird der Versuch unternommen, Crusius’ einzigartige und bisher hauptsächlich in Bezug auf seinen angeblichen ›Philhellenismus‹ begründete Beschäftigung mit der ›vulgaris lingua‹ mit neuen Argumenten zu erklären. Mit Hilfe von Crusius’ eigenen Äußerungen in seinen Tagebüchern29 und Publikationen sowie bisher unberücksichtigter Literatur wird gezeigt, dass seine Forschungen zur ›vulgaris lingua graeca‹, anders als bis heute angenommen, nicht als zweckfrei angesehen werden können. Sie sind in eine Konstellation von persönlichen und politischreligiösen Interessen dieser Zeit einzuordnen; Crusius’ Hingabe zum Studium der griechischen Sprache (seine ›Philhellenia‹, wie er sie selbst nannte) stellt jedoch die conditio sine qua non für diese Beschäftigung dar30. Diese ›Philhellenia‹ wird näher definiert, ihre ›Abkoppelung‹ vom späteren ›Philhellenismus‹ stellt die Voraussetzung für die ganze Analyse dar.
Das lexikographische Werk wird im gleichnamigen KAPITEL III beschrieben; der Schwerpunkt dieses Kapitels liegt jedoch nicht so sehr in einer paläographischen – kodikologischen Analyse des ›Autographon‹ des Crusius’, sondern vielmehr in der Erforschung der Gründe, die Crusius zu seiner einzigartigen Kompilierungsmethode bewogen haben, und der Probleme, die durch diese Methode entstanden sind.
S. 24Wie Crusius die Venezianer Volkdrucke seiner Sammlung als Lernbücher benutzt hat und wie genau die Zusammenarbeit mit seinen Informanten dabei verlaufen ist, wird im KAPITEL IV (TEXTE IN DER ›VULGARIS LINGUA GRAECA‹: LESEUND LERNSTOFF, QUELLEN DER LEXIKOGRAPHISCHEN ARBEIT) dargestellt. Die chronologische Dokumentation der Beschäftigung des Crusius’ mit den Texten seiner Sammlung wird von der qualitativen Untersuchung der erhaltenen Glossen unterstützt.
Diese qualitative Untersuchung verfolgt zwei Ziele: einerseits soll die Rolle von Crusius’ Griechischkenntnissen beim Erlernen des Frühneugriechischen mit Hilfe von literarischen Texten erleuchtet und andererseits der Beitrag der Informanten näher bestimmt werden. Ein Verzeichnis aller Texte mit einer Erfassung aller auf den Exemplaren vorhandenen handschriftlichen Vermerke des Crusius’ wird in einem Anhang (VERZEICHNIS DER TEXTE – VENEZIANER VOLKSDRUCKE) präsentiert.
Die Beschreibung der Informanten erfolgt in KAPITEL V unter der Überschrift ›GRAECI HOMINES‹. Der detaillierten Beschreibung der Hauptinformanten des Crusius’ werden theoretische Vorüberlegungen über Crusius’ Intentionen bei der Befragung seiner Informanten vorangestellt. Das für die Teilausgabe wichtige Thema der Probleme eines nicht-griechischen Muttersprachlers (wie Crusius) mit der schriftlichen Wiedergabe des gesprochenen Frühneugriechischen seiner Hauptinformanten wird anhand von konkreten Beispielen analysiert. Die hier erzielten Ergebnisse muss der Benutzer der Teilausgabe immer berücksichtigen, bevor er zu Schlussfolgerungen über die edierten sprachlichen Formen kommt. Auf die tabellarische Übersicht über alle Informanten folgt die detaillierte Beschreibung der Hauptinformanten. Immer wenn längere Texte aus Crusius’ Aufzeichnungen diskutiert werden, werden auch die entsprechenden Handschriftenauszüge als Abbildungen präsentiert.
S. 25Die Arbeit wird mit der TEILAUSGABE (KAP. VI) des ›Alphabetum‹ abgeschlossen. Die Auswahl der Lemmata, die methodologischen Grundsätze der Edition und die Struktur der Teilausgabe werden zuerst ausführlich diskutiert; nach einem Siglen- und Abkürzungsverzeichnis folgt die tatsächliche Ausgabe. In einem zweiten Anhang werden erhaltene Bilder, die Crusius nachweislich bei der Befragung seiner Informanten benutzt oder zur Schaffung von Klarheit selbst gezeichnet hat, präsentiert.
In der ausführlichen BIBLIOGRAPHIE wird die verwendete Sekundärliteratur aufgelistet31, einschließlich aller benutzten Editionen sowie modernen lexikographischen Werke.
Ein Hinweis vorweg zur Orthographie der Zitate: Zitate, die aus Crusius’ Feder stammen, werden bis auf die Auflösung der Ligaturen ohne Änderung wiedergegeben.
Was die neugriechische Sekundärliteratur angeht, so wird grundsätzlich das heute übliche Einakzentsystem (μονοτονικό σύστημα) verwendet, bei längeren Zitaten aus älteren Publikationen in archaisierender Katharevousa jedoch das übliche Mehrakzentsystem (πολυτονικό). Dies wird ebenfalls für Zitate aus frühneugriechischen literarischen Werken verwendet.
Fußnoten
- Im Folgenden nur »Crusius«. Der Name wird in dieser Arbeit als deutscher Nachname gehandhabt, wir schreiben daher »aus der Feder Crusius’« und nicht »Crusii«. ↑
- ›Frühneugriechisch‹ wird in dieser Arbeit in Einklang mit der modernen Literatur für die griechische Sprache des 16. Jh.’s statt ›postbyzantinisch - volkssprachlich‹ verwendet. ›Griechisch‹ wird hier ausschließlich in der in deutschsprachigen philologischen Arbeiten üblichen Bedeutung ›Altgriechisch‹ verwendet, sowohl im schriftlichen als auch im mündlichen Gebrauch, sei es, dass es sich um das ›Humanistengriechisch‹ des Crusius oder um das ›kirchliche‹ Griechisch seiner griechischen Briefpartner und gebildeten Informanten handelt. ↑
- TURCOGRAECIAE Libri octo á MARTINO CRUSIO, IN ACADEMIA Tybingensi Graeco & Latino Professore, utraque lingua edita. QUIBUS GRAECORUM STATUS ET IMPERIO Turcico, in Politia et Ecclesia, Oeconomia et Scholis, iam inde ab amissa Constantinopoli, ad haec usque tempora, luculenter describitur. Cum indice copiosissimo. BASILEAE: Oporinus 1584. 2° (Photomechanischer Nachdruck: Modena: MEMOR 1972). Im Folgenden Turcograecia oder TG. Zur Turcograecia insgesamt s. DE CLERQ 1967a & b, WENDEBOURG 1986: 359-370, zu ihrer Rolle in der Neogräzistik weiter unten, Kap. II, S. 8-9. ↑
- Zu der Germanograecia s. ausführlich LUDWIG 1997 und 1998a. Dieses Werk Crusius’ wurde in dieser Arbeit nicht mitberücksichtigt, weil sein Skopos außerhalb der Ziele unserer Analyse liegt. Da das primäre handschriftliche Material, auf dem alle in der Germanograecia eventuell vorhandenen Informationen zur vulgaris lingua basieren, in seiner Gesamtheit berücksichtigt wurde, kann man davon ausgehen, dass keine relevanten Informationen unberücksichtigt bleiben. LUDWIG 1998a bietet eine sehr kompetente Analyse der Darstellung seitens des Crusius’ der deutschen Griechischstudien in der Germanograecia. ↑
- Dazu ausführlicher weiter unten, Kap. II, S. 95 f. ↑
- ›Grieche‹ kann und wird hier nur konventionell verwendet. In dieser Zeit existiert kein Nationalstaat ›Griechenland‹, die ›Griechen‹ sind in ihrer großen Mehrheit Angehörige des Osmanischen Reiches. Crusius nennt seine Besucher ›Graeci Homines‹ (s. dazu Kap V, S. 179 ff.). Was er damit meint, ist meines Erachtens in etwa »die Bewohner des geographischen Raumes, der in der Antike zu Hellas gehörte und die Griechisch (unterschieden in ›lingua pura‹ und ›lingua corrupta‹) sprechen«. S. auch Κap. ΙΙ, S. 40-45. ↑
- Diese Rolle blieb weiterhin noch für längere Zeit in den Händen von Nicht- Griechen. In Holland gibt Meursius 1614 sein Glossarium graeco-barbarum heraus, in Paris Charles Du Fresne DuCange 1688 sein Glossarium ad scriptores mediae et infimae Graecitatis; diese Werke, die hauptsächlich byzantinische ›volkssprachliche‹ Texte thesaurieren, leisten bis heute wertvolle Dienste. ↑
- S. weiter unten, Kap. II, S. 27 f. ↑
- S. auch TOUFEXIS 1999. ↑
- Das ist natürlich eine subjektive Ansicht von jemandem, der das umfangreiche Material gesichtet hat. Die von Crusius geleistete Arbeit setzt einen ungeheuren Fleiß und eine Beziehung zum Schreiben, die ich nur mit dem Adjektiv ›handwerklich‹ beschreiben kann, voraus. Crusius besaß die Mittel und den ungebrochenen Willen, um eine solche Arbeit leisten zu können. ↑
- S. ausführlich weiter unten, Kap. IV S. 125 ff. ↑
- Eine Auseinandersetzung mit der bisherigen Forschung über Crusius’ findet im nächsten Kapitel (Kap. II, S. 35 ff.) statt. ↑
- Das einzige mir bekannte gedruckte lexikographische Werk ist das Introduttorio nuovo intitolato Corona preciosa mit mehreren Ausgaben im 16. Jh. (LAYTON 1994: 209. 384). Crusius besaß ein Exemplar dieses mehrsprachigen und eher für den Handel gedachten Werkes, das aber verschollen ist (s. MOENNIG 1997: 48 und 71, Nr. 4). ↑
- Im folgenden ›Alphabetum‹ (das Wort wird hier indeklinabel verwendet). ↑
- Der Begriff ›Glosse‹ wird in dieser Arbeit folgendermaßen verstanden: »Ein Wort oder eine Wortgruppe, die in einem Text vorkommt und am crusianischen Exemplar dieses Textes oder in einem anderen Textzeugen aus Crusius’ Nachlass mit einem Intrerpetament versehen wurde«. Das Wort oder die Wortgruppe wird mit dem Begriff ›Lemma‹, das Interpretament mit dem Begriff ›Explicatio‹ bezeichnet. Diese Arbeit, die mit Hilfe von Informanten geleistet wurde, wird als ›Glossieren‹ oder ›Glossierung‹ bezeichnet. Zu dem Begriff ›Informant‹, s. weiter unten, Kap. V, S. 177-8. ↑
- Das Wort Vokabel (im Plural manchmal mit dem lat. Wort ›Vocabula‹ angeführt) wird mit folgender Bedeutung in dieser Arbeit verwendet: »Ein Wort oder eine Wortgruppe, das mittels Befragung eines Informanten gewonnen wurde (sie kommt also in einem literarischen Text nicht vor) und in einem Textzeugen aus Crusius’ Nachlass überliefert ist.« Eine Vokabel besteht ebenfalls aus Lemma und Explicatio, wie eine Glosse. ↑
- Die Lemmata des ›Alphabetum‹ werden immer und nur mit der entsprechender Stelle des ›Alphabetum‹ angegeben, so dass eine Verwechslung mit dem primären Material vermieden wird. ↑
- Des Thesaurus cornucopiae et Horti Adonidis, Venedig: Aldus Manutius, 1496 (WILHELMI 2002: 358, Nr. 690), einer teilweise alphabetisch geordneten Sammlung von Scholien antiker Grammatiker. Über diese ungewöhnliche Kompilierungsmethode und ihre (vermutete) Gründe, s. weiter unten, Kap. III, S. 110 ff. ↑
- Die Bemerkung von ALPERS »Charakteristisch für … Glossare ist, dass dasselbe Wort, das an mehreren Stellen des erläuterten Textes und z. T. in unterschiedlichen Rektionsformen vorkommt, mehrfach und mit unterschiedlichen Bedeutungsangaben erklärt wird« (2001: 195) trifft auch für das ›Alphabetum‹ voll zu, s. Kap. VI, S. 248 f. ↑
- »Obwohl die Quellenlage zum Griechischen des 16. Jahrhunderts generell denkbar schlecht ist, wurde nie der Versuch unternommen, das von Crusius präsentierte Material systematisch aufzuarbeiten, kritisch zu ordnen und zu würdigen und für die Wissenschaft nutzbar zu machen.« (EIDENEIER 1994a: 128). ↑
- Das Unternehmen einer Komplettausgabe wurde nach einer Probeausgabe des Buchstabens ›ἄλφα‹ und ihrer Präsentation in Fachkreisen endgültig aufgegeben. Eine elektronische Ausgabe des kompletten Materials ist für die Zukunft geplant. ↑
- In Universitätsbibliothek Tübingen, Cod. Mb 37, fol. 83r-85v, pagg. 1-184, mit dem Titel ›Graeci Homines, qui mecum (in Germania) fuerunt diversis temporibus …‹, im folgenden mit der Abkürzung GH (für ›Graeci Homines‹) und Seitenzahl zitiert. Mehr über diese Handschrift weiter unten, Kap. V, S. 161 ff. ↑
- S. EIDENEIER , 1982/3, 1996, 1999, 2001. Man kann gewiss sagen, dass das Herausarbeiten dieser Tatsache das Verdienst aller Arbeiten von EIDENEIER darstellt. ↑
- S. zum Beispiel die in SIMOPOULOS (1972) unsystematisch gesammelten Angaben zum Frühneugriechischen aus europäischen Reiseberichten des 16. Jh. ↑
- In dieser Auflistung sind Crusius’ Predigtnachschriften nicht enthalten. Über diese Gewohnheit Crusius’ s. weiten unten, Kap. II, S. 28. ↑
- 159 selbstständig erschienene Werke (wiederholte Ausgaben und Nachdrucke des gleichen Werkes werden als einzelne Werke aufgezählt), 111 bis zu Crusius’ Tod (1607), der Rest bis zum Jahr 1854 (WILHELMI 2002: 223-245); 122 unselbständig erschienene Werke (Beitragtexte) in den Jahren 1549-1710 (WILHELMI 2002: 245- 260). Es handelt sich also eindeutig um eine schwer zu überblickende schriftliche Produktion. ↑
- S. z.B. die Abbildung einer Auflistung von ›Barbarograeca‹, die Crusius als Anhang zu einem französischen Buch von Pierre Belon verfasst hat (WILHELMI 2002: 285). ↑
- So bezeichnet Crusius des öfteren die frühneugriechische Wörter oder Wortgruppen, die er gesammelt hat. ↑
- Universitätsbibliothek Tübingen, Cod. Mh 466 1-9, im Folgenden mit Angabe der Signatur und des Bandes sowie der Seitenzahl zitiert. Zu Crusius’ Tagebuch insgesamt s. GÖZ 1921; nur die für unsere Zwecke ›uninteressanten‹ Bände aus den Jahren 1598-1605 sind zusammen mit einem Gesamtregister herausgegeben worden (GÖZ /ERNST 1927-1961). ↑
- Nur MOENNIG 1997: 49, Anm. 48 und teilweise KRESTEN 1970a: 17, Anm. 20 haben meines Erachtens solche Argumente gebracht, sie werden hier ausführlich und mit Belegen untermauert. ↑
- Die frühere Sekundärliteratur wird im Text zitiert, wenn sie zu unserem Thema Wesentliches beiträgt oder wenn die in ihr vertretene Meinung hier revidiert wird. In der Bibliographie werden alle verwendeten Werke angeführt, gleichgültig, ob im Text der Arbeit zitiert oder nicht. ↑