Das Alphabetum vulgaris linguae graecaePanagiotis Toufexis über Martin Crusius

VI Teilausgabe

Druckseiten 245–258

1 Zur vorliegenden Teilausgabe

1.1 Auswahl der Lemmata

Ziel der hier vorgelegten Teilausgabe des »Alphabetum vulgaris linguae graecae« ist es, wie bereits in der Einleitung erwähnt, nur diesen Teil des Gesamtmaterials zu präsentieren, der aus Diskursen des Crusius mit Muttersprachlern stammt und daher ein für die Erforschung des Frühneugriechischen im 16. Jh. einzigartiges Material darstellt. Voraussetzung dafür war freilich die Erhebung und Untersuchung sowohl des Gesamtmaterials des ›Alphabetum‹ als auch aller von Crusius in seinen Handexemplaren und Notizbüchern verzeichneter Glossen und Vokabeln.

Das Material wurde für diesen Zweck aus den Handschriften des Crusius transkribiert und in elektronische Datenbanken eingegeben. Damit war ein computergestützter Vergleich des Materials des ›Alphabetum‹ mit den primären Quellen gewährleistet, was angesichts der Fülle des Materials als entscheidend für die Durchführung der Arbeit angesehen wurde. Als die Entscheidung fiel, nur das Material aus den Diskursen mit griechischen Muttersprachlern herauszugeben, war es notwendig, in der Gesamtheit aller Lemmata des ›Alphabetum‹ die Lemmata zu lokalisieren und auszuwählen, die aus den Diskursen mit den ›Graeci Homines‹ stammen.

Crusius hatte, wie bereits erwähnt, ein umfangreiches Notizbuch (S. oben, Kap. V, S. 161 ff.) eigens für diese Gespräche geführt. Der erste Schritt war also, mit Hilfe der erwähnten Datenbanken und in Kombination mit der Sichtung der einzelnen Handschriftenseiten die S. 246 BildAbb. 1: GH 47, Informant: DONATOS. (Sprachliches material aus Texten

unscharf dargestellt)

entsprechenden Lemmata auf den Seiten dieses Notizbuches herauszufinden. Crusius selbst hatte allerdings eine eigene Methode (basierend auf Überschriften, Marginalnotizen und handschriftlichen Querverweisen.) entwickelt, um die Provenienz der einzelnen Lemmata inS. 247 seinem Notizbuch einzutragen. Eine typische Seite von GH wird in Abb. 1 dargestellt.

Am oberen Teil der Handschriftenseite bis hin zur Mitte werden Lemmata (und deren Explicationes) aus der Umgebung (›Domestica‹ = ›Haushaltsgegenstände‹) des Crusius und seines Informanten hintereinander aufgelistet, die der Informant (in diesem Fall Stamatios Donatos) am 27. Februar (wie in der weiteren marginalen Notiz an der rechten Seite verzeichnet) im Gespräch mit Crusius erläutert hat. Irgendwann im Laufe dieser Befragung ist Crusius zu einem schriftlichen Text übergegangen (marginale Notiz »Ex Belisarii libello«) und hat dem Donatos Wörter aus seinem persönlichen Handexemplar1 des *BELISARIOS2 vorgelesen und die Erläuterungen des griechischen Muttersprachlers dazu notiert (in Abb. 1 unscharf dargestellt). Wie der Vergleich der Lemmata dieser Kategorie mit dem Text des *BELISARIOS aber gezeigt hat, kommen die Lemmata ›τζαγκάρε, sutor. [→ τσαγκάρης, ὁ]‹ und ›σουβλὶ, subla, aal. [→ σουβλίον, τό]‹ im Text des *BELISARIOS nicht vor. Crusius hat offensichtlich3 diese beiden Lemmata den Vocabula aus *BELISARIOS hinzugefügt, allerdings ohne sie besonders kenntlich zu machen.

Bei der Eingabe aller Lemmata aus GH in die erwähnten Datenbanken wurde mit Hilfe ähnlicher Vergleiche und ausführlicher Kontrollen mit den Originaltexten die Provenienz jedes einzelnen Lemmas kodiert. Alle Lemmata, die aus Diskursen mit den ›Graeci Homines‹ stammen, wurden in der Zusammenstellung der Teilausgabe mitberücksichtigt, die übrigen (wie die Glossen des *BELISARIOS in dem Fall S. 248von GH 48, die in der Grafik unscharf dargestellt werden) wurden laut Zielsetzung der Teilausgabe nicht mitberücksichtigt.

»Berücksichtigt« bedeutet in diesem Fall, dass alle diese Lemmata computergestützt4 mit den Lemmata des ›Alphabetum‹ verglichen wurden. Alle Lemmata des ›Alphabetum‹, die mit den aus GH stammenden Lemmata übereinstimmen, wurden in der Teilausgabe übernommen. Um sicherzustellen, dass auch weitere Bearbeitungen der entsprechenden Lemmata von Crusius, die eventuell in GH nicht niedergeschrieben wurden, mit herausgegeben werden, sind darüber hinaus alle weitere Vorkommnisse der gleichen Lemmata im ›Alphabetum‹ mit herausgegeben. Dadurch wird ein kompletteres Bild aus dem Gesamtmaterial des ›Alphabetum‹ geschaffen und eine den Absichten und Methoden des Lexikographen (Crusius) gerechte Präsentation des Materials erbracht.

1.2 Grundsätze der Edition

Bei der Herausgabe von antiken lexikographischen Werken5 hat sich eine konservative Vorgehensweise durchgesetzt und als sinnvoll erwiesen. Da die meisten handschriftlich überlieferten lexikographischen Werke zum größten Teil auf schon bestehenden lexikographischen Werken, und nicht auf erneuter Glossierung von literarischen Texten basieren, ist es unbedingt notwendig, die Abhängigkeiten der Werke voneinander bei der Herausgabe in Betracht zu ziehen und zu erarbeiten. Die Ziele der Herausgabe von solchen Werken wurden demgemäß genau definiert: »Ziel der kritischen Editionen eines […] S. 249lexikographischen Werkes ist die Rekonstruktion der Vorlage, d.h. in diesem Bereich der Handschrift, die dem zu edierenden Werk als Vorbild gedient hat, mit anderen Worten: die Rekonstruktion der Quelle dieses Werkes.« (KAMBYLIS 1991: 156)

Folgt man diesem Grundsatz nicht und korrigiert die ›Fehler‹ des Lexikographen im Text der Edition, so liefert man ein falsches Bild des lexikographischen Werkes: »Der überlieferte Fehler stand bereits in der Quelle, aus der der Lexikograph ihn abschreibt. Korrigiert man ihn, so korrigiert man einerseits den Lexikographen, und d.h. den Autor, und man bringt andererseits Unordnung, Undurchsichtigkeit in die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Lexika.« (KAMBYLIS 1996: 156)

Die methodischen Konsequenzen dieses Grundsatzes (der bis jetzt bei mehreren Editionen Anwendung gefunden hat) bei der Herausgabe von lexikographischen Werken wurden ebenfalls klar und definitiv dargelegt: »Ich habe versucht, den von Photios selbst geschriebenen Text herzustellen. Nach diesem Grundsatz bleiben die Fehler, die Photios in seinen Quellen schon vorgefunden hat, im Text stehen. [Hervorhebung P.T.] Die aus der Vorlage übernommenen Fehler werden mit dem Zeichen der Korruptel gekennzeichnet, und im Apparatus criticus wird das Richtige, welches durch die Parallelüberlieferung gesichert oder durch Konjektur gefunden worden ist, angegeben …« (THEODORIDIS 1982: LXXVII)

Da es sich im Fall des ›Alphabetum‹ um ein Autograph des Lexikographen handelt, liegt der von Crusius selbst geschriebene Text vor, zum Teil auch die von ihm benutzten Quellen. Folgt man dem erwähnten Grundsatz der lexikographischen editorischen Tätigkeit, bleiben die ›Fehler‹, die der Lexikograph in seinen Quellen vorgefunden hat, im Text der Edition stehen.

Für das hier herausgegebene Material hat man einen weiteren Grund, um bei der Herausgabe konservativ vorzugehen: die im ›Alphabetum‹ (und seinen Quellen) überlieferten Wortformen stammen nicht aus literarischen Texten, sondern aus mündlichen InformationenS. 250 griechischer Muttersprachler. Sie wurden erstmals von Crusius in GH verschriftlicht und nachher, manchmal nach erneuter Nachbearbeitung, ins ›Alphabetum‹ übertragen.

Dies bedeutet, dass die Ursachen solcher ›Fehler‹ in dem hier vorliegenden Material völlig anderer Natur sind als die gewöhnlichen ›Fehler‹ von handschriftlich überlieferten, auf weiteren Lexika oder auch Glossierung von Texten basierenden lexikographischen Werken. Die Lemmata stammen aus Befragung von griechischen Muttersprachlern im Rahmen von mehrtägigen Diskursen in Tübingen, dem Sitz von Martinus Crusius. Die Explicationes in der uns in den Autographa des Crusius überlieferten Form sind meistens das Ergebnis einer translatorischen Bearbeitung des Crusius in das Lateinische oder das Frühneuhochdeutsche, seltener ins Griechische. Bei dieser komplexeren Form der Kommunikation sind Missverständnisse nicht auszuschließen.

Für den heutigen Leser des ›Alphabetum‹ und der Autographa des Crusius gibt es keine Möglichkeit, das von den griechischen Informanten tatsächlich Gesprochene zu rekonstruieren, uns stehen nur die Aufzeichnungen eines Nicht-Muttersprachlers des Griechischen zur Verfügung6. Was sich als Defizit und Hürde für den Herausgeber erweisen kann, stellt andererseits die Einzigartigkeit dieses Materials dar. Für die hier präsentierten sprachlichen Formen können wir mit hundertprozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass sie tatsächlich zur gesprochenen frühneugriechischen Sprache des 16. Jh. gehörten, wir können sogar genau das Jahr und den Tag (manchmal auch die Uhrzeit) ihrer Realisierung feststellen.

Alle Eingriffe des Herausgebers gehören daher in den apparatus criticus. Diese Eingriffe haben meist den Charakter einer ›Restitution‹ der Orthographie nach den heute für die Edition neugriechischer Texte geltenden Regeln7. Behält man aber die ›originelle‹ OrthographieS. 251 der von Crusius in seinem ›Alphabetum‹ aufgelisteten Wortformen im Text der Edition bei, so baut man möglicherweise zusätzliche Hindernisse für den Zugang des heutigen Benutzers des lexikographischen Werkes zum sprachlichen Material: die von Crusius benutzte Orthographie stimmt keineswegs mit der heute üblichen überein: so ist z. B. das Lemma ›ἴμερη πέτρα, utilis lapis, non ἀγριόπετρα. [1.81r iv π][→ ἥμερος]‹ von Crusius in seinem ›Alphabetum‹ unter dem Buchstaben ›ἰῶτα‹ aufgenommen. Behält man nach den oben erwähnten Grundsätzen die Schreibweise ἵμερη (für ἥμερη) im Text der Edition bei, so kann der heutige Benutzer das Gesuchte ohne weitere Hilfe nicht finden.

Das gleiche gilt auch für die von Crusius zusammengeschriebenen Wortformen, wie z. B. ›πότα. γοῦνα πότα πρόβαταν, vestis pellicea, ovilla. Cypricè. [1.140r iv π][→ γούνα, ἡ]‹: Crusius erkennt die hier vorliegende Konstruktion ›ἀπό + acc.‹ in der von seinem Informanten gesprochenen Art und Weise nicht8 und bildet eine vermutete Grundform für die erahnte Präposition: πότα πρόβατα statt ἀπὸ τὰ πρόβατα. Das ›vermeintliche‹ Lemma (πότα) wurde in einem weiteren Schritt von Crusius unter dem Buchstaben ›πῖ‹ – zusammen aber mit der ganzen Phrase, in der es vorkommt – ins ›Alphabetum‹ aufgenommen. Für den heutigen Benutzer der Ausgabe besteht ohne Mitberücksichtigung der Quellen des ›Alphabetum‹ die Gefahr, die tatsächlich vorliegende Wortform nicht identifizieren zu können.

Der erwähnte editorische methodologische Grundsatz steht in einer gewissen Diskrepanz zu dem erklärten Ziel der Teilausgabe, das vorhandene Material dem heutigen Benutzer zugänglich zu machen. Mit einer solchen ›konservativen‹ Vorgehensweise seitens des Herausgebers ist der Zugang des Benutzers der Ausgabe zu dem gesamtenS. 252 sprachlichen Material des ›Alphabetum‹ ohne weitere Hilfe nicht möglich.

Diese Diskrepanz wird mit Hilfe von sogenannten ›kanonisierten‹ Lemmata aufgehoben. Auf der Grundlage des Lexikons von E. Kriaras werden, ähnlich wie in einem modernen Lexikon, die crusianischen Lemmata kanonisierten Lemmata zugewiesen; die alphabetische Auflistung erfolgt in der Teilausgabe auf der Basis dieser kanonisierten Lemmata. Der mit der Verwendung von modernen Lexika vertraute heutige Benutzer der Teilausgabe des ›Alphabetum‹ findet das von ihm Gesuchte anhand der kanonisierten Lemmata, mit Hilfe von ausführlichen Querverweisen wird der Zugang zu dem Gesamtmaterial gewährleistet. Gleichzeitig wird die Lesbarkeit der Ausgabe erhöht, da diese kanonisierten Lemmata in vielen Fällen auch die Funktion des apparatus criticus übernehmen9.

Eine weitere Notwendigkeit ist die Einbeziehung der ›Quellen‹ des ›Alphabetum‹ in die Teilausgabe, d.h. in diesem Fall der handschriftlichen Aufzeichnungen des Crusius aus seinem speziellen Notizbuch über die ›Graeci Homines‹. Für jedes Lemma des ›Alphabetum‹, das hier ediert wird, wird in einem Quellenapparat der entsprechende und korrespondierende Eintrag aus GH eingegeben, gegebenenfalls auch andere Belege mit der gleichen Wortform aus weiteren glossierten literarischen Werken, die Crusius’ ebenfalls in sein ›Alphabetum‹ mit einbezogen hat. Etwaige Verbesserungen des Crusius’ im Laufe der eigentlichen lexikographischen Tätigkeit im Rahmen der Kompilierung des ›Alphabetum‹ werden auf diese Weise evident.

Mit der Angabe des Informanten bei jedem Lemma eröffnet sich darüber hinaus ein weiteres Feld für die Analyse des sprachlichen Materials, nämlich das der Erforschung der neugriechischen Dialekte. Dank der umfangreichen Aufzeichnungen von Crusius über seine Informanten sind wir in der Lage, uns ein genaues Bild über deren S. 253Herkunft zu bilden und somit einen Beitrag zur Erhellung des Status der von ihnen gesprochenen Dialekte (oder umgekehrt über die Verbreitung der neugriechischen ›Koine‹ als mündlicher Sprache im 16. Jh.) zu leisten. In diesem Bereich ist das hier präsentierte Material m.E. einzigartig und unersetzbar.

1.3 Struktur der Teilausgabe – Aufbau der Artikel

Jeder Artikel (Stichwort) der Teilausgabe des ›Alphabetum‹ besteht aus folgenden Teilen:

  • 1 Kanonisiertes Lemma oder Querverweis zu einem Kanonisierten

Lemma

  • 2 Lemma & Explicatio des ›Alphabetum‹, sowie Angabe der Stelle

des crusianischen Lemmas im ›Alphabetum‹

  • 3 Kritischer Apparat

4.. Quellenapparat mit Angaben zu dem Informanten

  • 5 Bemerkungen
1.3.1 Kanonisiertes Lemma oder Querverweis zu einem Kanonisierten Lemma

Ist das crusianische Lemma als Form in KR belegt, wird das Stichwort von KR als kanonisiertes Lemma übernommen. Die Anordnung in der Edition erfolgt nach der alphabetischen Reihenfolge der kanonisierten Lemmata, die am linken Rand gedruckt werden. Besteht das crusianische Lemma aus mehr als einem Wort, so wird für die Lemmatisierung das Wort benutzt, das Crusius für die Alphabetisierung in seinem ›Alphabetum‹ benutzt hat.

Weicht die im ›Alphabetum‹ überlieferte Wortform vom kanonisierten Lemma ab10 oder ist das crusianische Lemma aus mehreren S. 254Wörtern zusammengesetzt, wird ein Querverweis11 für die abweichende Form / das zusätzliche Wort erstellt. Dabei wird aus Gründen der Raumersparnis das Fehlen des finalen -ν nicht als Abweichung betrachtet.12

Sowohl bei den kanonisierten Lemmata als auch bei den Querverweisen werden folgende Siglen13 verwendet: * wenn die Wortform des ›Alphabetum‹ nicht belegt ist oder prob-

lematisch erscheint. ‡ wenn die crusianische Form nur im kritischen Apparat zu finden

ist, d.h. durch einen Eingriff des Herausgebers zustande kam. (?) wenn die Lemmatisierung unsicher ist.

1.3.2 Lemma und Explicatio, sowie Angabe der Stelle im ›Alphabetum‹

Das crusianische Lemma und die Explicatio werden exakt wie in der Handschrift überliefert wiedergegeben. Die Orthographie wird exakt beibehalten, Abkürzungen werden aufgelöst14. Mehrere Lemmata, die zum gleichen kanonisierten Lemma gehören, werden hintereinander innerhalb des gleichen Absatzes herausgegeben.

Das Lemma wird kursiv gesetzt; besteht es im ›Alphabetum‹ aus mehreren Eintragungen, so werden diese mittels hochgestellter lateinischer Buchstaben nummeriert (»a … b … c…«). Das gleiche gilt für die S. 255Explicatio, wenn sie nachweislich aus mehreren Informationen besteht, bzw. mit Hilfe mehrerer Informanten zusammengesetzt wurde.

Um die Kontrolle der Angaben zu ermöglichen, wird für jedes Lemma die Zahl des ›Alphabetum‹, die entsprechende Seite und der Rand, sowie der Buchstabe unter dem die Aufnahme von Crusius in das ›Alphabetum‹ erfolgte, angegeben.

Recto und Verso Seiten des Thesaurus werden neben der Seitenzahl wie üblich angegeben. Die Bezeichnung der Ränder wurde nach dem Schema in Abb. 2 (nächste Seite) vorgenommen. Mit dem zusätzlichen Symbol ›≈‹ werden Lemmata die interlinear innerhalb des griechischen Textes des Thesaurus geschrieben sind.

So bedeutet z.B. die Angabe [2.178v ii α], dass das betreffende Lemma sich im ›zweiten‹ Alphabetum, auf Seite 178v des ›Thesaurus cornucopiae‹ am linken Rand zu lesen ist, und dass es von Crusius unter dem Buchstaben ›ἄλφα‹ aufgenommen wurde.

1.3.3 Kritischer Apparat

Wenn nötig, werden die crusianischen Lemmata gemäß der heute in der editorischen Praxis frühneugriechischer Texte (s. MOENNIG 2001) üblichen Orthographie restituiert. Kein Eingriff erfolgt, wenn der Eingriff im apparatus criticus mit dem kanonisierten Lemma übereinstimmen würde (das finale -ν wird dabei nicht berücksichtigt15).

Der kritische Apparat wird grundsätzlich negativ, nur in komplexeren Fällen wird er positiv gestaltet.

Aus Gründen der Raumersparnis wird im kritischen Apparat nur der zu korrigierende Teil des Wortes wiederholt. S. 256 BildAbb. 2: Schema für die Bezeichnung der Ränder bei der Eingabe der Lem-

mata in den Datenbanken
1.3.4 Quellenapparat und Name des Informanten

Im apparatus fontium wird die ›ursprüngliche‹, meist aus GH stammende Form des Lemmas und der Explicatio und der Name des dafür zuständigen Informanten eingegeben. Stimmt diese mit dem Lemma im ›Alphabetum‹ überein, so werden nur die Stelle und der Name des Informanten angegeben, ansonsten wird der komplette Eintrag aus GH im Quellenapparat wiedergegeben. Wird das Lemma im ›Alphabetum‹ aus sowohl mündlichen und schriftlichen (d.h. aus literarischen Texten) Quellen zusammengesetzt, so wird auch die Stelle desS. 257 benutzten Textes sowohl im Handexemplar des Crusius als auch in einer modernen Edition (falls vorhanden) eingegeben.

1.4 Bemerkungen

In den Bemerkungen, die am Ende der Teilausgabe ab S. 302 ff. zu lesen sind, wird hauptsächlich eine Übersetzung der jeweiligen Explicatio ins Deutsche gegeben. Dies wurde vor allem deswegen für erforderlich gehalten, weil Crusius des Öfteren das Frühneuhochdeutsche (bzw. seinen regionalen Dialekt, das Schwäbische) für die Interpretation der Lemmata (meistens Haushaltsgegenstände u. ä.) verwendet16.

Bei der Übersetzung wird folgendermaßen vorgegangen: übersetzt wird jeder abgeschlossene Teil der Explicatio (sei es ein Substantiv oder eine Phrase) einzeln (jeweils in einfachen Anführungszeichen ›…‹); die einzelnen übersetzten Teile werden durch Kommata (,) getrennt. Die Übersetzung erfolgt nicht nach der tatsächlichen grammatischen Form der Explicatio, sondern in der in modernen Lexika üblichen Grundform. Hat Crusius einen Kommentar oder eine eigene Bemerkung zu einem Interpretament abgegeben, so wird diese auch übersetzt und in doppelten Anführungszeichen (»…«) angegeben.

Weitere Bemerkungen des Herausgebers zu einzelnen Lemmata werden immer dort, wo es erforderlich erscheint, angegeben und mit einem Zeichen (▶) von der Übersetzung der Explicatio getrennt. Dies wird immer dann gemacht, wenn nach Meinung des Herausgebers der Benutzer der Ausgabe zusätzliches Wissen für die Interpretation der Lemmata braucht, oder in Fällen, die als für die lexikographische Methode des Crusius und seine Kompilationsmethode interessant eingestuft werden. Auf Spekulationen und kühne Restitutionsversuche von ›korrupten‹ Lemmata wird prinzipiell verzichtet.

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2 | Teilausgabe
2.1 | Abkürzungen und Sigla
2.1.1 Abkürzungen:
gr. | griechisch
Cr. | Martinus Crusius
Expl. | Explicatio
fnhd. | frühneuhochdeutsch
klass. lat. | klassisches Latein
Lem. | Lemma
ngr. | neugriechisch
schw. | schwäbisch
2.1.2 Sigla:
* | Form nicht belegt in modernen Lexika, problematische
Form
† | Form kam durch den Eingriff des Herausgebers im kriti-
schen Apparat zustande
* | Form nicht belegt oder problematisch
‡ | Form ist im kritischen Apparat zu finden
(?) | unsichere Lemmatisierung
{αβγ} | Von Crusius in seinem Autographon korrigierte Buchstaben
||αβγ|| | Von Crusius in seinem Autographon interlinear geschriebe-
ne Buchstaben
2.1.3 Hauptinformanten:
DONATOS | 1579; aus Zypern (?) oder Thessalien; s. oben, S. 184
ARGYRUS | 1581; aus Santorini; s. oben, S. 205
TRUCELLO | 1582; aus Zypern; s. oben, S. 218
CALONAS | 1582; aus Korinth; s. oben, S. 230

Fußnoten

  1. Dieses Handexemplar des Crusius ist heute verschollen. ↑
  2. Über die von Crusius benutzten Exemplare und die in der Teilausgabe benutzten Abkürzungen s. weiter unten, Anhang 1, S. 323 ff. ↑
  3. Ich kann in diesem Fall keine Erklärung für die Wahl dieser Lemmata an dieser Stelle liefern. σουβλί gehört zur semantischen Kategorie der Domestica und der τσαγκάρης ist derjenige, der ein σουβλί benutzt. ↑
  4. ›Computergestützt‹ ist hier nicht gleichzusetzen mit ›eins zu eins übereinstimmend‹: graphematische (d.h. orthographische) Variationen wurden bei der Suche mitberücksichtigt, so dass wir davon ausgehen können, dass alle Lemmata aus GH, die im ›Alphabetum‹ aufgenommen wurden, lokalisiert und in der Teilausgabe berücksichtigt wurden. ↑
  5. Die gewiss zu den komplexeren Unternehmen bei der Herausgabe von antiken Texten gehören, s. ALPERS 1991. ↑
  6. Die Probleme der Verschriftlichung wurden weiter oben, Kap. V, S. 170 ff. angesprochen. ↑
  7. Die Verwendung des multiakzentualen Systems (πολυτονικό σύστημα) stellt einen selbstverständlichen Teil dieser konservativen editorischen Herangehensweise dar. Zu diesen Regeln s. MOENNIG 2001. ↑
  8. Vielleicht auch wegen des zusätzlichen finalen –ν in πρόβαταν. ↑
  9. Zu diesen Funktion s. hier weiter unten S. 255. ↑
  10. Es werden dabei nur die phonetischen und nicht die graphematischen Abweichungen berücksichtigt. ↑
  11. Verwiesen wird auf das kanonisierte Lemma, das die Form / das Wort enthält. Es werden keine Querverweise für folgende Wörter erstellt: νά, ὁ – ἡ – τό (bestimmter Artikel, auch in der Zusammensetzung [σ]τό(ν) usw.). ↑
  12. Dazu s. auch Anm. 16. ↑
  13. Diese Siglen wurden für notwendig gehalten, obwohl sie sicher für den Benutzer gewöhnungsbedürftig sind, um zwischen ›echten‹ (zusätzlichen Wortformen, die in einem crusianischen Lemma vorkommen) und ›unechten‹ (durch editorische Eingriffe im kritischen Apparat entstandenen) Querverweisen zu unterscheiden. Nur auf diese Weise ist es m. E. für den Benutzer möglich, ein präzises Bild des sprachlichen Materials zu bekommen. ↑
  14. Die Abkürzungen scil. für scilicet und fort. für fortasse werden beibehalten. ↑
  15. Diese Entscheidung hängt mit dem Umfang der Edition zusammen; es hat sich herausgestellt, dass der kritische Apparat bei den meisten Lemmata aus solchen Fällen zusammengesetzt war. Mit dem Transfer der Funktion des kritischen Apparats zu dem kanonisierten Lemma werden auf der einen Seite keine Informationen wiederholt, auf der anderen Seite wird die ›Lesbarkeit‹ der Ausgabe verbessert. Siehe oben S. 252. ↑
  16. Ein zusätzlicher Grund dürften auch die in Kreisen von Neogräzisten mangelnden Lateinkenntnisse sein. ↑